Jun 22
Re: Das sind objektive Argumente gegen Linux. @Linux-Fans: was sagt ihr dazu? - Sun: Linux-Nutzer wollen in Wirklichkeit…
Puh, das sind ja eine Menge Punkte. Aber IMHO kein Trolling, daher
versuche ich, alles so objektiv wie möglich zu beantworten. Muss
leider etwas kürzen, wegen dem 10000-Zeichen-Limit.
> GNU/Linux ist schwerer erlenbar als Windows oder MacOS - Fakten:
> * Die Lernkurve von GNU/Linux verläuft i.d.R. für den Benutzer
> unerfreulich.
Gilt nur, wenn der Benutzer auch gleichzeitig Administrator spielt.
Meine Erfahrung mit total EDV-unerfahrenen Benutzern (z.B. meine
Gattin) zeigt, dass sich diese ohne weiteres auch mit dem KDE
anfreunden. Windows-Umsteiger werden evtl. auf das
“nichts-ist-wo-es-sein-soll”-Syndrom stossen.
> * Die wichtigste Benutzerschnittstelle, das CLI, ist zwar effizient
> für Könner, aber unfreundlich gegenüber Lernenden (”rm -rf”).
Kann ich so gelten lassen, allerdings gebe ich zu bedenken, dass das
CLI auch tatsächlich für Profis gedacht ist. Anfänger brauchen das
CLI nicht.
> * Der Schulungsaufwand für GNU/Linux- basierte Systeme ist de facto
> höher als der für Windows- Systeme, da Benutzer i.d.R. Vorkenntnisse
> für Windows besitzen, nur selten jedoch welche für UNIX.
Wenn man von diesen Voraussetzungen ausgeht, ja. Würde ich aber bei
normalen Anwendern nicht überschätzen.
> * Unter GNU/Linux gibt es keine betriebssystemweiten und konsequent
> eingehaltenen Konventionen und Standards[…].
Ist nicht ganz unwahr. Diese Standards sind aber auch bei Windows
nicht so konsequent durchgehalten, wie man es sich wünschen würde,
insbesondere von Drittanbietern. Immerhin sind vernünftige Distros
(z.B. RedHat, Mandrake) so vorbereitet, dass per Default KDE-(QT-)
und Gnome-(GTK )-Anwendungen gleich aussehen, wodurch schon ein
Grossteil der Applikationen ein einheitliches Aussehen aufweist.
> Viele wichtige Anwendungen fehlen unter GNU/Linux - Fakten:
> Nahezu keine aktuelle Office- Software existiert in Portierungen für
> GNU/Linux; bei Textverarbeitungen und Tabellenkalkulationen gibt es
> Workarounds und einige Alternativen (OpenOffice.org, StarOffice
> u.a.),
Was für einen Großteil der Anwender auch schon wieder reicht…
> einige Anwendungsgruppen sind unter GNU/Linux jedoch überhaupt
> nicht vertreten: [DreamWeaver, DTP, PhotoShop]
Obige Beispiele sind die immer wieder genannten
“Killer-Applikationen”, wegen denen manche Leute nicht auf Linux
umsteigen können. Adobe Photoshop läuft dem Vernehmen nach aber
bereits unter CrossOver.
Es ist allerdings zu bedenken, dass nur wenige Leute wirklich diese
genannten Produkte _brauchen_. BTW: es gibt Corel PhotoPaint für
Linux, AFAIK kann das Farbseparation.
> * Es gibt sehr wenige branchenspezifische Lösungen für GNU/Linux.
Das ist eine sehr allgemeine Aussage, die je nach Branche zutreffen
kann oder auch nicht.
> Die Dokumentation zu GNU/Linux ist schlecht.
> * Teilweise ist die Dokumentation veraltet oder fehlerhaft.
Beispiele bitte. So allgemein gesagt dürfte das auf jedes System
zutreffen.
> * Die Dokumentation ist nur teilweise übersetzt
Es gibt mehr englische Dokumentation als deutsche. Insofern richtig.
Betrifft das den normalen Anwender? KDE hat deutsche Doku, OpenOffice
hat deutsche Doku.
> sie liegt i.d.R. in englischer Sprache vor. Teilweise sind die Übersetzungen
> stümperhaft und voller Fehler.
Beispiele bitte.
> * Es gibt keine Prüf- oder Kontrollinstanz[…]
Halte ich für kein so grosses Problem.
> Das Updaten ist ein Glücksspiel:
> Die Aktualisierung eines aktuellen Windows- Betriebssystems ist
> innerhalb der empfohlenen Migrationspfade sicher;
Da habe ich aber schon anderes erlebt. Die meisten Leute, die ich
kenne, schmeissen im Zweifelsfall auch die alte Windows-Installation
runter und installieren neu. Mag sein, dass sich ein nacktes Windows
problemlos upgraden lässt, aber dieser Fall ist eher von akademischen
Interesse.
> Bei GNU/Linux ist die Aktualisierung einer Distribution bei jeder
> Version ein Glücksspie l[…] Eine absolute
> Ausnahme bildet Debian GNU/Linux:
Lasse ich so gelten. Zumindest spiele ich keine Upgrades drüber,
sondern sichere meine Daten und beginne mit einer frischen
Installation.
>[…]
> Automatische Mechanismen zum Einspielen von Sicherheits- Updates oder
> Bugfixes besitzen nur die großen Distributionen […]
Daraus kann ich kein Linux-Problem erkennen. Es ist niemand
gezwungen, sich ein LFS anzutun und dann in Aktualisierungsprobleme
zu laufen.
> Ständiger Wandel und Instabilität:
> “Nichts ist so beständig wie der Wandel”, zumindest in der GNU/Linux-
> Welt; der Zwang zu permanenten Updates bewirkt Instabilität und eine
> sich permanent verändernde Arbeitsumgebung.
Wenn man jeden Release-Wechsel mitmacht, ja. Aber dazu ist niemand
gezwungen. Die raschen Fortschritte locken zwar zum häufigen Upgrade,
aber wer zufrieden ist mit dem, was er hat, kann auch jahrelang dabei
bleiben.
> Datenformate sind zwar meist offen, verändern sich jedoch ständig,
Beispiele, bitte. Tex hat seit wievielen Jahren das gleiche Format?
Welche Format hatte MS-Word damals?
> oder Programme werden ersetzt durch andere Produkte mit inkompatiblen
> Datenformaten.
Beispiele, bitte. Mir fällt hier nur der höchst sinnvolle Wechsel im
Dateiformat von StarOffice 5.2 nach OpenOffice 6.0 ein.
> Im Gegensatz dazu gibt es in der Windows- Welt bei den führenden
> Applikationen stabile Datenformate, die zwar i.d.R. proprietär sind,
> dafür aber de facto- Standards bilden.
Und sich leider auch ohne Vorwarnung ändern.
> Eine Hölle ist die “dependency hell” unter GNU/Linux […]
Ist mir noch nicht aufgefallen. Da die Abhängigkeiten bekannt sind,
kümmern sich die Installationsprogramme um solche Details.
> Die einzige Distribution, die diese Hölle in den Griff bekommen hat,
> ist Debian GNU/Linux; […]
Hatte weder mit SuSE noch mit Mandrake nennenswerte Probleme in
dieser Richtung. Die treten höchstens dann auf, wenn man nicht die
vorgesehenen Installationsprogramme verwenden will, sondern selbst in
der CLI irgendein runtergesaugtes RPM installieren will.
> GNU/Linux ist anwenderfeindlich:
> Die Benutzung von GNU/Linux ist sowohl für normale Benutzer (”Joe
> User”) als auch für Administratoren riskanter und fehleranfälliger;
> die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Datenverlustes ist bei
> GNU/Linux daher grösser als bei einer aktuellen Windows- Version.
Da man bei Linux viel leichter vor einem Eingriff eine
Sicherheitskopie der bearbeiteten Konfig-Dateien anlegen kann (egal
ob man mit dem Editor oder einem Distro-eigenen Konfig-Tool
arbeitet), und viele Konfig-Tools sogar von sich aus
Sicherheitskopien der Konfig-Dateien anlegen, trifft eher das
Gegenteil zu. Wenn’s nicht klappt, alte Konfig zurückspielen und
nochmal probieren.
> Man könnte auch pointiert formulieren, GNU/Linux sei unmenschlich, […]
Das geht ins philosophische. So gesehen sind alle Computer
unmenschlich.
> * Das Konfigurieren eines aktiven ISDN-Adapters unter einem
> beliebigen aktuellen GNU/Linux zum netzwerkweiten Versenden und
> Empfangen von Telefaxen kann Wochen dauern und dennoch erfolglos
> bleiben (Dauer unter Windows 2000 Server: etwa zehn Minuten).
kann ich mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen
> * Das Einrichten eines Netzwerkdruckers über CUPS und Samba kann
> unter Debian GNU/Linux Tage dauern und dennoch erfolglos bleiben
> (Dauer zur Lösung derselben Aufgabe unter Windows 2000 Server: etwa
> drei Minuten).
Hat bei mir regelmässig ganz problemlos geklappt. Unter Windows habe
ich aber auch schon bei bestimmten Druckertypen längere Kämpfe
erlebt. Man sollte nicht den Problemfall hier mit dem Idealfall dort
vergleichen.
> Ein begabter Programmierer entwickelt möglicherweise den
> fehlenden Treiber einfach selbst, oder beseitigt Fehler aus einem
> bereits existierenden.
Das lassen wir dahingestellt, da es vielleicht 1% der Linux-Anwender
betrifft.
> An der Kommandozeile verursacht das UNIX- Konzept, nur die unbedingt
> notwendigen Rückfragen zu stellen, für ein höheres Risiko beim
> ungeübten Benutzer.
Meine Mandrake fragt vor jeder Datei, die per rm gelöscht wird, oder
per cp oder mv überschrieben wird, ob ich das will. Das funktioniert
sogar bei rm -r für jede einzelne Datei. Tut das Windows in der
Dos-Box auch? (Kann man mit der Option -f verhindern)
> Alle Windows- Versionen und sogar MS-DOS fragt
> bei allen kritischen Operationen, teilweise mehrfach, nach, ob die
> Operation tatsächlich gewollt ist.
c:\> cd \windows
c:\windows\>del *.exe
(nicht ausprobieren!)
> Probleme unter den derzeitigen GNU/Linux- GUIs sind weniger
> konzeptioneller Natur; […] Beispielsweise verhält sich
> der Gnome- Dateimanager beim Überschreiben von Verzeichnissen anders
> als der Windows Explorer: Ein vorhandenes Verzeichnis wird bei
> Nautilus mit dem neuen Inhalt nach einer Rückfrage ersetzt; der
> Windows Explorer fügt die neuen Dateien dem Verzeichnis hinzu, bietet
> an, ggf. vorhandene Dateien zu ersetzen, löscht das alte Verzeichnis
> und seinen Inhalt jedoch nicht.
Für Windows-Umsteiger vermutlich ein Problem. In vielen Fällen aber
entspricht die Gnome-Variante eher den Benutzerwünschen; oder beide
Varianten kommen auf das gleiche Ergebnis.
Gruss
Ötzi
[…] ist schwerer erlenbar als Windows oder MacOS - Fakten: * Die Lernkurve von GNU/Linux verläuft i.d.R. für den Benutzer unerfreulich. * Die wichtigste Benutzerschnittstelle, das CLI, ist zwar effizient […]