Apr 9

Re: Helfen die Linux-Entwickler MS, Linux zu begraben? - Mandrake Linux 9 für Xbox

Category: Allgemein

linux Freiheit auch lieber. Letztlich haben wir es aber nur den
> Raubkopierern zu verdanken, daß TCPA kommen wird. _Die_ haben uns
> letztlich die Freiheit genommen (vielen vielen Dank dafür :-(( )
Das ist Schwachsinn. Das glauben nicht mal die in der RIAA
organisierten Unternehmen selbst (die wissen sehr gut, daß nicht
jeder, der einen Britney-Song lädt, den auch kauft. Die wissen auch,
daß sie an der Entwertung des Contents durch ihre
Schnelldreher-Politik selbst schuld sind). Raubkopierer sind die
vorgeschobenen Prügelknaben, nicht die Ursache für TCPA und DRM.
Es geht um Marktkontrolle. Die Rechteinhaber haben den Medienmarkt
weitgehend monopolisiert und kontrollieren den verkauften COntent -
sowohl auf Produzenten- als auch auf Recipientenseite. Die
Produzenten (Künstler) sind von den Vertriebskanälen der
Rechteinhaber abhängig, die Konsumenten werden nur noch von den
Vertriebskanälen der Rechteinhaber beliefert (geh mal in einen
Plattenladen). Die Gewinne, die komplette Wertschöpfungskette ist dem
folgend an das Trägermedium (Schallplatte, CD) , nicht an das Produkt
selbst gebunden. Solang kein alternativer Vertriebsweg für das
Produkt ohne Trägermedium zur Verfügung stand, klappte das
hervorragend und garantierte (nicht zuletzt aufgrund verdeckter
Absprachen) saftige Gewinne. Alternative Anbieter, wie
Independent-Label, kamen gar nicht flächendeckend in den Markt (nur
an Hot Spots bei Special-Interest-Anbietern oder im Direktvertrieb -
beides beschränkte die Zielgruppe von vornherein) oder mußten sich
der entsprechenden Vertriebskanäle bei den Mayors bedienen. Mehrwert
der Medien, (Artwork et cetera) wurde mit der Zeit entbehrlich, die
Produktionskosten fielen, während die Medienpreise rapide stiegen.
Mit dem Internet entfiel die Kopplung von Produkt und Medium, die
entsprechenden Kunstwerke konnten ohne Qualitätsverlust und
Eigenkosten dupliziert und vertrieben werden. Theoretisch können
Künstler und Konsument sich ohne jeden zwischengeschalteten
Rechteinhaber direkt finden und auch direkt miteinander abrechnen,
die ehemals so mächtigen Plattenfirmen würden zu Dienstleistern
reduziert, die sowohl für den Konsumenten (in Form von Portalseiten)
als auch für den Produzenten (in Form von Micropayment-Clearing,
On-Site-Promotion et cetera) nur noch eng definierte und nicht mehr
monopolisierbare und damit gewinnarme Dienstleistungen erbringen
würden. Vor allem würde der Gewinnfaktor, mit dem massenhaften Absatz
eines Produktes (wie einer Robbie-Williams-CD) und der damit
günstigen Pre- und Post-Produktions-Kostenstruktur in einem per
Push-Medien manipulierbaren Markt Traumgewinne einzufahren,
wegfallen. Zugunsten einer breiten Kulturlandschaft, wo die
Produktionsbreite eines Produktes aufgrund der
Konsumentenemanzipation um Bruchteile geringer liegt und so die Pre-
und Postproduktion logischerweise einen wesentlich höheren Anteil am
Produktumsatz verschlingt und damit die Gewinne schmälert.
Ein weiterer, auch sehr ärgerlicher Punkt ist die nicht rücknehmbare
Eigentumsübertragung von Transportmedium und Produkt an den
Konsumenten, der damit machen kann, was er will. Er kann es bei
Kumples spielen, im Auto, zehn Jahre später bei der Hochzeit und
hundertt Jahre später kann er es (sofern die Technik dazu existiert)
auch bei seiner eigenen Beerdigung spielen lassen. Wichtig dabei: Er
kann selbst entscheiden, wo und unter welchen Umständen er das
Produkt konsumiert und wen er daran teilhaben läßt. Zusätzlich kann
er das Produkt weiterveräußern und so selbst Geld der
Wertschöpfungskette des Neuproduktemarktes entziehen (wer erinnert
sich nicht an die Forderung, auf 2nd-Hand-Medien eine Verkaufs-GEMA
zu erheben?). Ein unhaltbarer Zustand.
Infolgedessen wurde mit dem Containerprinzip der diversen
DRM-Techniken (nicht TCPA - diese Plattform begünstigt nur das
Clearing) zwei Probleme gelöst: Es existiert wieder ein
Transportmedium für das Produkt, das analog den CDs der
Pre-Internet-Ära eine entsprechende Ertragsschöpfungskette ermöglicht
(diesmal unter Ausschaltung des Vor-Ort-Handels) und das Produkt an
das (virtuelle) Trägermedium (DRM-Container) bindet. Dadurch kann die
Wertschöpfungskette der physikalischen Medienwelt 1:1 uf die digitale
Welt übertragen werden. Der Zwang zu derartigen Containern durch TCPA
bringt zusätzlich einen nicht umgehbaren Kostenfaktor ein, der die
Non-Profit-Kultur ad absurdum führt und ganz nebenbei durch
entsprechende Rabattierungssysteme oder gar eigene Gatekeeper-Dienste
den etablierten Häusern einen Kostenvorteil verschafft, der eine
entsprechende Monopolisierung des digitalen Marktes analog den
Märkten der nicht virtuellen Welt ermöglicht und so den ungeliebten
Stiefschwestern der Independent-Musiker die Kundschaft entzieht. Im
zweiten Weg kann zusätzlich der DRM-Container zeitcodiert sein, an
ein bestimmtes Abspielsystem gebunden werden, per Abspielung
abgerechnet und, sollte es wünschenswert sein, sogar nachträglich
manipuliert und gelöscht werden - inklusive der enthaltenen Daten.
Dem Käufer wird die freie Verfügbarkeit des Produktes abgesprochen,
schließlich will man auch an seiner Beerdigung mitverdienen.
Angenehmer Nebeneffekt ist, daß die “Szene” gleich noch die gesamte
Infrastruktur selbst stellt - von den Servlets für den Vertrieb bis
zu den Fansites für die Promotion. Und man so nur noch das Geld
“einsammeln” muß - beim DRM-Umsatz-Clearing…
Das sind die grundsätzlichen Erwägungen, die zu DRM/TCPA führten,
nicht ein paar Raubkopierer, die die in den Großmärkten stehenden CDs
nicht für geldwert halten, aber auch die Katze im Mailorder nicht im
Sack kaufen wollen und deswegen in den Tauschbörsen zum Reinhören
runterladen…
CU

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